Im Interview: Tina Ehrke-Rabel

 

Bild Tina Ehrke-RabelIm Bild: Univ.-Prof. Mag. Dr. Tina Ehrke-Rabel 
Institut für Finanzrecht, Karl-Franzens-Universität Graz

Im Gespräch über ihr neues Lehrbuch überrascht Tina Ehrke-Rabel damit, dass sie sich während ihres eigenen Studiums phasenweise sehr gelangweilt hat und sogar abbrechen wollte, bis sie schließlich durch einen Zufall beim Finanzrecht landete. Dass diese, allgemein als „sperrig“ geltende Materie auch unglaublich spannend sein kann, will sie den Studierenden in ihren Vorlesungen und mit einem besonderen Lehrbuchkonzept vermitteln.

 

Verlag Österreich: Was können die Studierenden von Ihrem neuen Lehrbuch „elements Steuerrecht“ erwarten?

Ehrke-Rabel: Die Grundlagen des Steuerrechts werden studierendengerecht UND praxisbezogen dargestellt. Studierendengerecht bedeutet, dass man damit arbeiten kann, auch wenn noch kein Vorwissen vorhanden ist. Der Bezug zur Praxis ist wichtig, damit Studierende erkennen können, warum sie etwas lernen. Anhand von Beispielen sehen sie sofort, worauf es im Wesentlichen ankommt. Darüber hinaus gibt es immer Hinweise, was man beachten sollte, um einen Sachverhalt richtig beurteilen zu können. Schließlich ist das Buch so aufgebaut, dass einem beim Lernen die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Steuerarten besser bewusst werden. Was unterscheidet Ihr Buch von der bisherigen Literatur in diesem Bereich? Die nun enthaltenen Beispiele sind didaktisch sehr durchdacht. In bisherigen Lehrbüchern zu diesem Rechtsbereich war die Systematik nicht immer ganz so rund und damit die Lesbarkeit für die Studierenden erschwert. Zur besseren Orientierung gibt es jetzt eine durchgängige Seitenleiste mit Schlagwörtern und Icons, die einen durch das Buch leiten. Neu ist auch, dass durchgehend auf die Paragraphen verwiesen wird. Ist damit eine optimale Prüfungsvorbereitung möglich? Für meine Prüfung jedenfalls, aber auch für alle anderen Standardprüfungen in diesem Bereich. Man kann sich mit dem Buch ein sehr solides Grundlagenwissen des Finanzrechts aneignen und sollte damit in der Lage sein, einfache, praktische Fälle zu lösen.

Was war die Motivation ein solches Lehrbuch zu schreiben?

Erstens hätte ich mir selbst so ein Buch während meines Studiums gewünscht. Weiters glaube ich, dass es sehr wichtig ist, den Studierendendie Möglichkeit zu bieten, dieses doch sehr komplexe Rechtsgebiet auch im Selbststudium durchschaubar zu machen. Ich bin nicht der Meinung, dass man dadurch die Studierenden in der Vorlesung verliert. Mit diesem neuen Konzept eines Lehr- und Lernbuchs ist einfach beides möglich.

Welche Tipps hinsichtlich der Organisation des Studiums, der Prüfungsvorbereitung oder der Jobaussichten können Sie den Studierenden geben?

Als erstes würde ich ihnen empfehlen sich einzulassen, und zwar auf das Recht und das jeweilige Rechtsgebiet, das sie lernen. Man sollte Freude am systematischen Denken, am Formulieren und am in Frage stellen haben. Und ich kann nur jedem empfehlen, sein Studium möglichst schnell durchzuziehen und sich nicht zu verzetteln. Ich selbst wollte ja während meines Studiums immer wieder abbrechen, weil es mich ehrlich gesagt zu Tode gelangweilt hat. Aber das war einfach die damalige Zeit und die Art der Wissensvermittlung. Ich habe trotzdem weitergemacht und ein guter Freund meines Vaters hat einmal zu mir gesagt: Juristen gibt es wie Sand am Meer, aber gute Juristen gibt es nur wenige. Gute Juristen zeichnet die Freude am Denken, am Argumentieren und am Formulieren aus. Studierende, die gute Chancen am Markt haben wollen, sollten ein Profil entwickeln und auf einen Bereich, ein Thema ihren Schwerpunkt setzen.

Was war ausschlaggebend, dass Sie sich auf das Finanzrecht spezialisiert haben?

 Ich wollte keinesfalls mit Mord und Totschlag und auch nicht mit Familienrecht zu tun haben, das war mir ganz wichtig. Dann habe ich einen Steuerberater kennengelernt – und Steuerberater waren für mich das Langweiligste überhaupt – dessen Persönlichkeit unglaublich interessant war. Er hat sich sehr für Kunst interessiert und ist wahnsinnig viel gereist. Da dachte ich, wenn man sich mit solch interessanten Dingen beschäftigt, kann ein derart langweiliger Job nicht stark abfärben – oder der Job ist einfach nicht langweilig. Also habe ich mir das Steuerrecht näher angesehen. Ich bin auf Professor Ruppe und seine Mitarbeiterinnen gestoßen und habe die Prüfung damals eigentlich nur gemacht, weil mein Freund bei einer anderen Prüfung durchgefallen ist und wir daher nicht wegfahren konnten. Das hat jedoch dazu geführt, dass ich am Finanzrecht richtig Gefallen gefunden habe, weil es hier „nur“ um Geld und nicht um Leib und Leben oder diese grauenhaften Familienangelegenheiten geht. Schlussendlich habe ich mich darauf spezialisiert.

Also eigentlich war alles ein Zufall?

Irgendwie schon. Ausschlaggebend für meine Entscheidung waren vor allem aber die Persönlichkeiten, Professor Ruppe und seine Assistentinnen,  die damals die Repetitorien gehalten haben. Alle konnten mit solch einer Begeisterung dieses Fach  vermitteln, sodass auch ich mich schnell dafür begeistert habe.

Und das möchten Sie auch Ihren Studierenden weitergeben…

…ja selbstverständlich! Abgesehen davon überdenke ich laufend meine Konzepte. Somit ist auch jede Lehrveranstaltung und jedes Semester ein wenig anders. Engagierte Studierende können bei mir, egal wie hoch meine Arbeitsbelastung ist, eine Diplomarbeit verfassen. Wenn sie mir als sehr talentiert erscheinen, dann versuche ich sie über eine Studienassistenz in den Studienbetrieb einzubinden. Ich biete ihnen auch die Möglichkeit beispielsweise in einer Schweizer Zeitschrift, in der ich die Entscheidungsbesprechung betreue, erstmals zu publizieren. Leider nehmen das noch viel zu wenige wahr.

Gibt es schon neue Projekte oder Pläne für die Zukunft?

Zur Zeit liegt mein Fokus eindeutig auf dem Lehrbuchsektor. Wenn man hier ein gutes Grundlagenwissen aufgebaut hat, dann kann man zur Vertiefung an der Spezialliteratur arbeiten. Das neue Lehrbuch bietet einen soliden Einstieg in das Fachgebiet und unterstützt die Studierenden, sofern sie danach lernen, eine Einkommenssteuer-, Umsatzsteuer und auch eine Körperschaftssteuererklärung ausfüllen zu können. Mein Ziel ist, dass sie grundsätzlich wissen worum es in diesem Fach geht und gewöhnliche Lebenssachverhalte aus steuerrechtlicher Sicht einschätzen können.

 


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